Im Land der Gegensätze…

Ahmedabad *) („Stadt des Ahmed“) alter indischer Name: Karnavati, ist mit 3.724.300 Einwohnern in der eigentlichen Stadt und 4.970.200 im urbanen Ballungsgebiet (Stand jeweils 1. Januar 2004) die sechstgrößte Stadt Indiens und das wirtschaftliche Zentrum in Gujarat.

Ahmedabad liegt im Westen Indiens am Fluss Sabarmati etwa 50 Kilometer von dessen Mündung in den Golf von Khambhat, einem Teil der Arabischen See. Ahmedabad ist heiß und trocken in den Monaten Februar bis Mai, in der Monsunzeit von Juni bis August fällt ein Großteil der jährlichen Niederschlagsmenge. Die Monate November bis Januar sind kühler mit Tagestemperaturen von unter 30 °C und Nachttemperaturen von ungefähr 10 °C.

Aufgrund der geographischen Lage ist Ahmedabad durch vier verschiedene Naturkatastrophen bedroht: Erdbeben, Zyklone, Überschwemmungen und Dürren. Überflutungen kommen regelmäßig im Zusammenhang mit dem Monsunregen sowie mit den Stürmen. Bleibt der Monsun über mehrere Jahre aus oder ist er sehr schwach, so kommt es zu Dürren. Am 26. Januar 2001 erschütterte ein Erdbeben mit der Stärke 6,9 auf der Richterskala den Staat Gujarat, wobei nach offiziellen Angaben 17.122 Todesopfer zu beklagen waren. Inoffizielle Schätzungen gehen von weit über 100.000 Opfern aus. In Ahmedabad wurden 12 Hochhäuser sowie etwa 300 weitere Gebäude zerstört und eine große Zahl von Gebäuden beschädigt.

Geschichte –
Die Geschichte Ahmedabads beginnt im 11. Jahrhundert mit König Karnadeva I., einem Solanki-Herrscher. Er besiegte einen lokalen König der Bhil in Ashaval und gründete dort die Stadt Karnavati. Ende des 13. Jahrhundert unterwarf das Sultanat von Delhi Gujarat, und Anfang des 15. Jahrhundert fiel es unter die Regierung von Sultan Ahmed, der Ahmedabad („gegründet von Ahmed“) am Ufer des Sabarmati nahe Karnavati erbauen ließ (1411). Als Hauptstadt Gujarats wuchs die Stadt schnell an und Ende des 15. Jahrhundert wurde eine 10 km lange Stadtmauer mit zwölf Toren um sie errichtet. Zur Mogulzeit florierte der Handel mit Textilien, die bis nach Europa exportiert wurden. 1758 eroberten die Marathen von Ragunath Rao und Damaji Gaikwad die Stadt und besiegelten so das Ende der Moguln-Herrschaft über Ahmedabad. Eine Hungersnot und die gemeinsame Herrschaft der Peshwas und Gaikwad führten fast zum Untergang der Stadt. 1818 wurde sie von der British East India Company übernommen. Mitte des 19. Jahrhundert wurden eine Stadtverwaltung und eine Eisenbahnverbindung nach Bombay eingerichtet.

1915 ließ sich Mahatma Gandhi nach seiner Rückkehr aus Südafrika in Ahmedabad nieder und gründete den Harijan Ashram am Ufer des Sabarmati. Von hier begann er 1930 seinen friedlichen Salzmarsch gegen die Britische Kolonialmacht von seinem Ashram bis hinunter zum Küstendorf Dandi, um gegen die Einführung einer Salzsteuer zu protestieren. Er schwor vor dem Marsch, nicht zum Ashram zurückzukehren, bevor Indien seine Unabhängigkeit erreicht habe – er kehrte nicht zurück. Ahmedabad wurde nach der schließlich erreichten Unabhängigkeit 1947 Hauptstadt des Staates Gujarat. Durch eine Regierungsreform im Jahre 1970 wurde Ahmedabad von der Staatshauptstadt zur Bezirkshauptstadt heruntergestuft und die Staatsregierung in die 30 Kilometer nördlich gelegene Satellitenstadt Gandhinagar ausgelagert.

Religionen –
Die Mehrheit, etwa 80 % der Bevölkerung, ist hinduistisch, etwa 14% der Bevölkerung sind Moslems. Dies hat in der Vergangenheit immer wieder zu schweren Unruhen geführt, zuletzt im Jahr 2002.

Verkehr –
Dominiert wird der Straßenverkehr in Ahmedabad von der großen Zahl an Zweirädern, hauptsächlich Motorroller und kleine Motorräder mit weniger als 125 cm³ Hubraum. Ahmedabad ist die Stadt mit der höchsten Dichte an Zweirädern in Südasien. Der örtliche Frachtverkehr wird dominiert von „Three-Wheelern“, Kleintransportern mit Diesel oder Zweitaktmotor. Das Automobil setzt sich langsam im Individualverkehr durch – die Verkehrsdichte ist hoch und steigt wöchentlich. Obwohl Staus auch auf den Hauptverkehrsadern noch selten sind, droht dem Verkehrssystem mit einer weiteren Zunahme des Individualverkehrs der Kollaps.

Öffentlicher Nahverkehr –
Ahmedabad verfügt über ein dichtes lokales Bussystem. Des Weiteren gibt es in der Stadt mehr als 75.000 registrierte Motorrikschas (Three-Wheeler).

Regionaler und Überregionaler Verkehr –
Ahmedabad besitzt einen kleinen internationalen Flughafen. Tägliche Verbindungen gibt es nach Delhi und Mumbai, weitere Verbindungen in andere wichtige Städte Indiens, sowie in den süd(ost)asiatischen Raum. Air India unterhält einen täglichen Direktflug nach Frankfurt. Die Anbindung an das Eisenbahnnetz bietet Direktverbindungen nach Mumbai und Delhi. Ahmedabad liegt am „National Highway 8“.

Infrastruktur –
Ahmedabad verfügt im Stadtgebiet über ein gutes Straßennetzwerk. Aufgrund des mangelhaften Abwassersystems können in der Monsunzeit selbst wichtige Verkehrsknoten bis zu einem Meter tief unter Wasser stehen.

Das Energiesystem ist aufgrund eines Kraftwerkes im Stadtgebiet relativ stabil. Stromausfälle passieren gelegentlich und können dann mehrere Stunden andauern.

Die Wasserversorgung ist ein Problem für die Stadt. Das Wasser ist stark belastet und kann nur gefiltert als Trinkwasser verwendet werden, der Grundwasserspiegel fällt seit einigen Jahren bedenklich.

Bildung –
Die Stadt ist Sitz verschiedener Hochschulen. Neben der Gujarat University und der Gujarat Vidyapith befindet sich hier eine der besten Wirtschaftshochschulen Asiens, das Indian Institute of Management Ahmedabad.

Kulinarische Spezialitäten –
In Gujarat wird überwiegend vegetarisch gegessen – der Verzehr von Fleisch ist die Ausnahme. Das einzig verbreitete nichtvegetarische Nahrungsmittel stellen Hühner dar.

Probleme –
Die Wasserversorgung der Stadt ist nicht nachhaltig gesichert, so dass der Stadt ohne ein gutes Konzept für das Wassermanagement in einigen Jahren das Wasser ausgehen könnte.

Umweltverschmutzung ist ein weiteres Problem der Stadt. Zur Zeit produzieren die Bürger etwa 600 Gramm Müll pro Person und Tag, ein Müllentsorgungs- oder Recyclingsystem existiert nicht, die Luftverschmutzung erreicht kritische Werte und lag teilweise über dem Dreifachen des Grenzwertes für Staubpartikel.

Saptak-Musikfestival –
1980 gründeten Ravi Shankar und Kishor Maharaj dort eines der bedeutendsten Festivals Klassischer Indischer Musik, das jährlich im Januar stattfindet.

Die Universität Gujarat Vidyapith –
Die Gujarat Vidyapith ist eine staatliche Universität in Ahmedabad im indischen Bundesstaat Gujarat. Der Name Vidyapith steht in den meisten indischen Sprachen für Universität. An der Hochschule wird besonders die Anwendung der lokalen Sprache Gujarati sowie von Hindi im Unterricht gefördert.

Geschichte der Universität –
Die Hochschule wurde am 18. Oktober 1920 von Mahatma Gandhi gegründet. Sie war damit die erste von Indern autonom betriebene Hochschule in Britisch-Indien. Mahatma Gandhi war bis zu seinem Tod Kanzler (Kula-pati) der Universität. Die Grundwerte der Hochschule orientieren sich an seinen Idealen:

– Verpflichtung zur Wahrheit und Gewaltlosigkeit
– Teilhabe an produktiver Arbeit mit Respekt vor der Arbeit
– Akzeptanz der Gleichheit der Religionen
– Besonderer Schwerpunkt auf die Bedürfnisse der Dorfbevölkerung in allen Fachbereichen
– Gebrauch der (jeweiligen) Muttersprache als Unterrichtssprache

Seit 1963 gehört die Gujarat Vidyapith zu den staatlich anerkannten und geförderten Universitäten in Indien.

Fakultäten und Einrichtungen –

Colleges –
– Hindi Teacher Training College, Ahmedabad
– Mahadevbhai Desai Gramseva Mahavidyalaya, Radheja
– Mahadevbhai Desai College, Sadara
– Mahadevbhai Desai Sharirik Shikshan Mahavidyalaya (Collage of Physical Education), Sadara
– Shikshan Mahavidyalaya (College of Eduacation), Ahmedabad

Forschungsinstitute –
– Stammesforschung (Tribal Research & Training Institute (TRTI))
– Hindi Prachar Samiti (Hindi Bhavan)
– Bharatiya Bhasha Sanskruti Kendra
– Zentrum für Friedensforschung (Jamnalal Bajaj Institute of Studies in Ahimsa)
– Fachbereich Erwachsenenbildung
– State Resource Centre (SRC) for Adult & Continuing Education including Population Education
– Gujarat Vidyapith Bibliothek (Gandhi Bhavan)
– Fachbereich Verlagswesen
– Rural Service Extension Centre
– Zentrum für Agrarwissenschaften (Krishi Vigyan Kendras)
– P. G. Centre for Studies in Rural Management at village Randheja
– Internationales Zentrum für Jain Studien (International Centre for Jain Studies at Ahmedabad  campus)
– Zentrum für Bio-gas Forschung und Bildung in Sadra
– Instrumentation Centre at village Sadra (Level-I) and Mobile Vocational Training Centre
– Late Jankidevi Bajaj Zentrum für Naturheilkunde in Sadra
– Panchayati Raj Talim Kendra

*) Alle hier aufgeführten Informationen (inklusive des Headerbildes „Ahmedabad – panoramic view“  von Hardik Jadeja) wurden der Wikipedia entnommen!